Schon nach wenigen Minuten war klar, Herr Oppermann ist eine „Überzeugungstäter“, wenn es um die Konfrontative Pädagogik geht. Denn in seiner vorangehenden beruflichen Tätigkeit als Antiaggressionstrainer und bei seiner Arbeit mit jugendlichen Straftätern hatte der Referent positive Erfahrungen mit dem Einsatz dieses pädagogischen Ansatzes machen können. Und so erhielten die Zuhörerinnen und Zuhörer einen mit vielen konkreten Beispielen und eindrucksvollen Erlebnissen unterfütterten Vortrag, dem man auch zu dieser späten Tagungsphase noch konzentriert folgen konnte. 
Insgesamt war es Herrn Oppermann ein besonderes Anliegen, die positive Ausrichtung des vorgestellten methodischen Ansatzes zu verdeutlichen. Denn im Wesentlichen gehe es bei der Konfrontativen Pädagogik darum, Kindern und Jugendlichen Wertschätzung entgegenzubringen, ihnen in jeder Auseinandersetzung auf Augenhöhe zu begegnen. Insofern dürften Lehrerinnen und Lehrer für abweichendes Verhalten zwar Verständnis haben, sich damit aber keinesfalls einverstanden zeigen. Denn werde ein falsches Verhalten seitens der betreuenden Erwachsenen ignoriert, wirke dies wie die Billigung des Verhaltens. Und deshalb sei es so wichtig, Schüler und Schülerinnen mit ihrem Fehlverhalten zu konfrontiert.

Grundvoraussetzung dafür, dass sich durch die Konfrontation etwas im Verhalten der Schüler ändere, sei eine gute Beziehung zwischen Lehrer und Schüler resultierend aus einem insgesamt positiven Menschenbild des bzw. der Lehrenden. Und so müsste man Schülern durch die Konfrontation mit ihrem Fehlverhalten zwar die Stirn bieten, dies aber mit Ruhe tun, dabei stets sachlich und wertschätzend sein. 
Gemäß dem Motto „Ich bestimme, wer mich provoziert.“ dürfe man sich weder auf einen Machtkampf mit dem betroffenen Schüler oder der Schülerin einlassen, noch sich von diesen fremdbestimmen lassen.  
Neben dem richtigen Ton entscheide aber auch der richtige Zeitpunkt der Intervention über deren Erfolg. Am Beispiel einer Pausenhofschlägerei und unter Rückgriff auf wissenschaftliche Erkenntnisse zum Stresszyklus erklärte Herr Oppermann eingängig, dass direkt nach dem Konflikt keine Einsicht in das Fehlverhalten zu erwarten sei. Hier brauche es etwas Zeit. Wichtig sei in einer solchen Situation: „Die Schüler müssen merken, dass man dranbleibt.“

Katrin Rutenbeck