„Grün, Südafrika, Bochum, Leistungssportler“, mit diesen Worten beschrieb eine Teilnehmerin ihren ersten Eindruck von ihrem zufälligen Sitznachbarn im Plenum. Das Spiel Nachbarn raten (welche Lieblingsfarbe, welches Traumreiseziel, welche Herkunft und welchen Traumberuf der Kindheit mag der Sitznachbar haben?) verdeutlichte zum Auftakt auf amüsante Weise, wie wir uns einen ersten Eindruck von unseren Mitmenschen bilden. Die ersten 150 Millisekunden einer Begegnung entschieden über Sympathie oder Antipathie, so die Referentin Sahar El-Qasem, Trainerin für interkulturelle Kompetenz, über die Bildung dieses ersten Eindrucks. Und somit sei jeder Einzelne in vollem Umfang selbst dafür verantwortlich, ob er einen anderen Menschen, diesem so kurzen ersten Eindruck nach, sympathisch oder unsympathisch finde. Es gelte sich bewusstzumachen, dass es in der eigenen Verantwortung liege, dass es sich hierbei um Vorurteile handele, so die Münchner Diplom-Sozialpädagogin. Gemeinsame Ziele reduzierten jedoch Vorurteile, sodass eine gemeinsame Zusammenarbeit, die weiterhin Einfühlungsvermögen und Bewusstsein bedürfe, unter diesen Bedingungen gelingen könne.

Für Heiterkeit im Publikum sorgte zunächst der von der Referentin auf die Bühne mitgebrachte Kulturbeutel. Als Symbol diente er dazu, sich dem Kulturbegriff zu nähern. Laut Frau El-Qasem liege die ‚Crux‘ der Kultur darin, dass sie in der Regel auch eine Erwartungshaltung impliziere, da sie in einer Gemeinschaft als verbindlich gelte. Die Nichterfüllung dieser latenten Erwartungen berge ein entsprechendes Konfliktpotenzial beim Aufeinandertreffen von Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen. Nach außen hin sichtbar seien jedoch nur die jeweiligen Symbole einer Kultur, wie eben jener Kulturbeutel, dahinterstehende Werte ließen sich hingegen nur erahnen.

Was bedarf es nun, MITeinander umzuGEHEN? Sahar El-Qasem forderte dazu auf, den Menschen zu sehen, genau hinzuhören, Empathie zu leben und ein gemeinsames Ziel zu definieren.

Christian Möllenbrock