Die gegenwärtigen Veränderungen im familialen Zusammenleben wirken sich auf die Bildung und Erziehung der Heranwachsenden im schulischen wie im außerschulischen Bereich aus und gehen mit gehäuften Sozialisations- und Erziehungsproblemen einher. Schulmüdigkeit ist oft eine Auswirkung familiär bedingter Lebens- und Entwicklungsschwierigkeiten.

Die nachfolgenden Risikofaktoren aus dem familialen Bereich stehen in Wechselwirkung zu schulischen Problemen und führen häufig bei länger andauernden Zeiträumen zu Verhaltensweisen wie Schulangst, -müdigkeit und Schulverweigerung:

Psychosoziale Probleme wie der Verlust elterlicher Bezugspersonen sind häufig im Kontext von Verweigerung anzutreffen. Diese kann hervorgerufen werden durch

  • Trennung von den Eltern
  • psychische Probleme der Eltern
  • sexueller Missbrauch
  • Opfer von häuslicher Gewalt und Sucht in der Familie
  • Todesfälle oder Inhaftierung
  • Arbeitslosigkeit.

In vielen Einzelfällen zeigen sich häufig auftretende Probleme bei

  • elterlicher Kontrollschwäche
  • Ausfall von elterlicher Unterstützung der Kinder
  • Orientierungslosigkeit der Kinder bei fehlender Grenzsetzung von Seiten der Eltern
  • Gleichgültigkeit gegenüber den schulischen Aktivitäten der Kinder
  • chronischen Krankheiten in der Familie.

Erziehungsstile, die eine positive Entwicklung von Kindern behindern, sind u.a.

  • hilflose Bagatellisierung der schulischen Misserfolge der Kinder und elterliche Frustrationen
  • Freisprechung der Anteile der eigenen Kinder bei Problemen mit  gleichzeitiger Schuldzuweisung an die Schule
  • Autoritätslücken bis hin zum Rollentausch (= diffuse Generationsgrenzen)
  • starke Unstetigkeit und Unberechenbarkeit im elterlichen Handeln
  • restriktiver, vor allem durch Druckausübung gekennzeichneter wenig einfühlender Erziehungsstil
  • Überforderung und Resignation der Eltern bei der Erziehung.

Soziale Probleme der Elternhäuser begünstigen Schulmüdigkeit. Es gibt allerdings auch in so genannten intakten Familien schulmüde Kinder. In der Regel „fällt Schulmüdigkeit nicht vom heiteren Familienhimmel“, sondern hat einen erkennbaren „Vorlauf“.

Dazu gehören häufig negative Schulerfahrungen der Eltern und eine daraus resultierende Zwiespältigkeit der Elternhaltung gegenüber der Schule. Schuldistanzierte Einstellungen der Eltern, elterliche Hilflosigkeit, mit schulischen Erfordernissen schwer vereinbare familiäre Lebensverhältnisse u. a. sind breite Hintergrundthemen.

Schulmüdigkeit und -verweigerung kann sich auch durch Überanpassung von Eltern an Schule entwickeln, z. B. in leistungsehrgeizigen oder rigiden Familien. Dort regiert die heimliche Tauschformel "Noten gegen Akzeptanz und Liebe". Im Zuge ständigen (Über-) Drucks entstehen ggf. dramatische Ablösungskrisen mit Schulschwänzen als Leit- oder Nebensymptom, d. h. als Waffe der Kinder gegen besonders "wunde" Elternstellen.