Im Alltag nehmen Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer sowie Mitschülerinnen und Mitschüler schulische und außerschulische Leistung, Lernen, Spielen und Arbeiten im jeweiligen Umfeld wahr. Das gemeinsame Gespräch und der Austausch über Beobachtungen helfen, Entwicklungschancen und Potenziale, die jedes Kind auf seine Weise mitbringt, rechtzeitig zu erkennen, gemeinsam zu würdigen und zu fördern. Auch erkennbaren Entwicklungsschwierigkeiten kann so rechtzeitig begegnet werden.

Eltern, Erzieherinnen und Erzieher und auch Lehrkräfte können besondere Begabungen mit Hilfe von Fragebögen und Checklisten erkennen. Diese Fragebögen und Checklisten nennen Kriterien, die sich auf allgemeine Entwicklungszusammenhänge (z. B. Verhalten), Arbeitsverfahren (z. B. Fähigkeiten zum Handeln), inhaltliche Qualifikationen oder zielgerichtete Vereinbarungen und Absprachen beziehen.

Auch die Selbsteinschätzung des Schülers oder der Schülerin ist für die richtige Förderung von großem Interesse. Eine gute Möglichkeit bieten Portfolios. Hier können Schüler Arbeiten, die in der Schule oder zu Hause erarbeitet wurden und die ihnen persönlich wichtig sind, sammeln. Diese Sammlung dokumentiert z. B. die Interessen, die Motivation, den Stand der Entwicklung, den Lernstil und die Stärken des Kindes.

Verschiedene Tests können helfen, das Begabungspotenzial eines Kindes näher zu bestimmen. Ein Test sollte dann durchgeführt werden, wenn die am Erziehungsprozess Beteiligten dies für unabdingbar halten, weil offensichtliche Fähigkeiten und realisierte Leistung (z. B. Schulleistung) in einem Missverhältnis stehen oder das Kind oder der junge Mensch ein auffälliges Verhalten zeigt, so dass eine mögliche Unterforderung abgeklärt werden soll.

Ein Test ist in der Regel nicht erforderlich, wenn sich das Kind alterstypisch entwickelt und die schulischen Leistungen im Rahmen bekannter Entwicklungsschwankungen bleiben. Auch größere Leistungsschwankungen sind in bestimmten Zeiten der Entwicklung typisch und in der Regel kein Anlass zur Sorge.